KMG-Nachrichten 128 -Juni 2001

Herausgegeben von Engelbert Botschen

______________________________________________________________________________________________________________________

Engelbert Botschen

Ein Comanche-Gebet zum Karl May Symposium

Das Karl-May-Symposium der Texas Tech University in Verbindung mit der KMG in Lubbock hatte einen beeindruckenden Start. Der Enkel Quanah Parkers, Chief Baldwin Parker jr. war nicht nur unserer Einladung gefolgt sondern sprach auch zu Beginn der Veranstaltung einige indianische Segensworte zu den Teilnehmern. Unser amerikanisches Mitglied Prof. Meredith McClain, die Organisatorin des Symposiums, konnte uns nun den Text und ein Begleitschreiben der Tochter des Häuptlings zur Verfügung stellen.

Jacquetta J. McClung, Ph.D. (Daughter of Baldwin Parker, Jr.)

Hier sind meine Anmerkungen und die Worte meines Vaters, die er am Karl May Symposium sprach:

ls unsere Familie eingeladen wurde, am Karl May Symposium teilzunehmen, fragte ich meinen Vater Baldwin Parker jr., ob er vor die Gruppe treten und ein Gebet für sie sprechen könne. Aber mein Vater wollte zuvor mehr über Karl May und die Teilnehmer dieses Symposiums erfahren. Nach einem Gespräch mit Dr. Meredith McClain gab ich die Informationen zu Herrn Mays schriftstellerischem Werk über die indischen Völker an meinen Vater weiter. Also willigte er ein, ein Gebet für die Karl May Gesellschaft zu sprechen, weil Herr May das Erbe unseres Volkes achtete. Er sprach die folgenden Worte und übernahm dabei den Segen, den sein Großvater Quanah vor Jahren gegeben hatte, als die Stadt Quanah, Texas, zu seinen Ehren benannt wurde.

"Heute fühlen wir uns besonders geehrt, da eine Gesellschaft wie Sie von so weit her gekommen ist, um an dieser Versammlung teilzunehmen, und wir bitten darum, daß der große Geist unseres Vaters immer mit Ihnen sein, Ihre Schritte lenken und Ihr Schaffen fördern möge. Und ich bete, daß Sie immer vom großen Geist, dem Geist aller Menschen, geführt werden. Jetzt entbiete ich den Segen meines Großvaters in meiner Sprache:"

Der Große Geist möge leuchten über diesen Menschen aus einem fernen Land,

Diesen Menschen, die auch die Natur und ihre Geschöpfe lieben

Und die Mutter Erde achten so wie wir, Nuumanu, es tun.

Möge der Regen zu seiner Zeit fallen,

Und in der Sonnenwärme nach dem Regen

Möge die Erde in ihrem Lande reichlich Früchte tragen,

Möge Frieden und Zufriedenheit immer mit Ihnen und Ihren Kindern sein.

"Wir freuen uns, daß Sie in unser Land gekommen sind; Sie sind hier immer wieder willkommen. Ich bete, daß der große Geist aller Menschheit jeden von Ihnen segnen möge, und daß wir uns eines Tages wie hier wieder als Brüder treffen werden."

Suavte

Baldwin Parker, Jr

Enkel von Quanah Parker,

letzter Häuptling der Comanchen.

[Comanche Wörter: Nuumanu (die Leute); Suavte (das ist alles)]

Der alte Herr war so beeindruckend, dass sich kaum jemand traute, während seine Rede zu filmen oder zu fotographieren.

______________________________________________________________________________________________________________________

German Who Brought Cowboys To the Rhineland Is Winning Fans Beyond the Mississippi

Eine kleine Sensation war es schon: Am 5.4.2001 berichtete das Wall Street Journal (Autorin: Cecilie Rohwedder) mit einer Titelgeschichte über Karl May - anscheinend sogar in verschiedenen Fassungen, denn uns liegen zwei sehr unterschiedliche Texte vor. Wir bringen einige Auszüge:

LUBBOCK, Texas - Er ist der meistverkaufte deutsche Autor aller Zeit - weit vor Goethe, Hermann Hesse oder Thomas Mann. Seine detaillierten Beschreibungen von Cowboys und Indianern, Prärien und Canyons, die im 19. Jahrhundert großen Beifall fanden, formten, was Generationen von Deutschen von den USA dachten. Seinetwegen sind Deutsche versessen auf den Westen, und viele verlieren nie ihre Liebe zu Winnetou, einem tapferen Apachenhäuptling und zu Old Shatterhand, einem deutschstämmigen Westmann; den fiktionalen Helden seiner Romane.

Heute, lange nach seinem Tod im Jahre 1912, erreicht der May-Kult schließlich die USA. Vor kurzem veranstaltete die Texas Tech Universität hier in Lubbock ein Symposium über den Schriftsteller und bereitet die Errichtung eines Karl-May-Archivs vor. Sprachstudenten lesen seine Arbeiten auf Deutsch. An der Universität von North Dakota bringen indianische Studienklassen sogar Winnetou-Filme.

... Das Pioniermuseum in Crosbyton, einer winzigen Cowboystadt nahe Lubbock hat ihm eine eigene Ausstellung gewidmet - zu sehen sind u.a. 55 seiner Bücher, eine deutsche Flagge und ein Filmplakat, das Winnetou auf einem Schimmel zeigt. [Wir wissen: Thomas Grafenberg überreichte es bei der letzten Winnetour!]

"Wir denken, daß Karl eine außersinnliche Wahrnehmung hatte, weil er die Gegend so gut beschrieb, ohne jemals hier gewesen zu sein," sagt Museumsdirektorin Verna Anne Wheeeler.

... Mays Arbeiten sind wirklich ganz genaue Darstellungen der Stämme und des Terrains im Südwesten. Aber sie faszinieren US-Gelehrte mehr als ein Einblick in Deutschland und die eskapistischen, romantischen und idealistischen Sehnsüchte, die helfen, den deutschen Nationalcharakter zu erklären. Die Freiheit und endlose Weite von Mays baumlosen Ebenen konnten nicht gegensätzlicher sein zum überfüllten, streng regulierten Land im Zentrum von Europa.

"Karl May gab den Deutschen ihre Phantasie," sagt Meredith McClain, Direktor des >Southwest Center for German Studies at Texas Tech<, die ein Buch über ihn schreibt. "Die Phantasien der Leute zu verstehen, hilft, zu verstehen, wer sie sind".

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als May schrieb, schürte er das entstehende Fernweh seiner Mitbürger. Später verschlangen die Ostdeutschen, die unter dem Kommunismus vom Reisen ausgeschlossen waren, seine Bücher. Aber sogar im westlichem Deutschland behielt die Welt des Schriftstellers seinen Charme. Heute gibt es in Deutschland Hunderte von Wildwest-Clubs. An warmen Sommerwochenenden treffen sie sich, um Cowboys und Indianer - oftmals in Lederkleidung und Kriegsbemalung - zu spielen oder um die überall im Land auf Freilichtbühnen ausgeführten Karl-May-Spielen zu sehen.

Deutsche pilgern auch ins Cowboyland selbst. Sie sind die zahlreichsten internationalen Besucher in Arizona, wo der Reiz des "Old West" so stark bleibt, daß die Lufthansa im letzten Monat Non-Stop-Flüge nach Phönix startete. An Arizona-Stand der neuen Tourismusmesse in Berlin wußte jeder von Karl May. "Karl May irrte in vielen Dingen über die Indianer," sagt Ben Sherman, Präsident der ‘Western American Indian Chamber’, "aber ich mag, was er für den Tourismus tut".«

Daneben finden sich im Artikel auch noch all die Stereotypen der populären Maybeschreibungen, die anscheinend unausrottbar sind. Für eine Zeitung aus den USA ist es immerhin doch ein beachtenswertes Ereignis. Der Artikel schließt mit einem Zitat unseres Vorsitzenden:

"In Karl May finden Sie alle imperialen und expansionistischen Phantasien des Kaiserreichs," sagt Reinhold Wolff, Vorsitzender der Karl-May-Gesellschaft in Deutschland. "Er tat genau, was Bestsellerautoren tun: Sie reflektieren die Träume ihrer Zeiten."

Prof. Wolff aber meinte resignierend dazu: "Nicht daß ich zufrieden wäre, aber das habe ich mir bei Journalisten längst abgewöhnt. Natürlich habe ich den letzten Satz gesagt, aber noch ein paar andere dazu, die der Journalistin offenbar zu schwer verständlich waren."

[ebo]

______________________________________________________________________________________________________________________

 ______________________________________________________________________________________________________________________

 


Übersicht KMG-Nachrichten

Titelseite KMG